
Will man den Menschen Carsten Ellmers und seine Lebensphilosophie begreifen, lohnt es sich, ihm genau zuzuhören. In seinen Gedanken steckt weitaus mehr, als nur oberflächlicher Smalltalk. Ungewöhnliche Lebensweisheiten weiß er wie Farbtupfer zwischen den Zeilen zu verstecken. Man möchte beinahe glauben, er habe das eine oder andere Wort gedankenlos hineingeworfen. Doch dieser Mann ist alles andere als gedankenlos. Der war jahrzehntelang Vollblutjournalist. Der kann das. Der kann mit Worten umgehen. Und so nimmt er seine Gesprächspartner an die Hand und rast mit ihnen in einer affenartigen Geschwindigkeit durch seine Gedanken. Keine Diva, keine Koryphäe; Profilneurosen sind ihm fremd. Ein bodenständiger Mensch, dem ein begegnungsreiches Leben sein ganz persönliches Vokabular gegeben hat. Niemals würde er beispielsweise etwas derart Kreatives, wie den Bau einer Gitarre, auf das Niveau eines reinen Werkzeugs herunterspielen. Er spricht nicht von seiner »Werkstatt«, sondern von seinem »Atelier«. Eine Gitarre ist für ihn ein Kunstwerk mit einer Seele. Und sowas entsteht nunmal nicht in einer Werkstatt.
Sein Atelier in den Räumlichkeiten eines alten Fabrikgebäudes zeigt, wie ungern Carsten Ellmers sich in irgendwelche Schemata pressen lässt. An den Wänden hängen Bilder zwischen Surrealismus und Impressionismus, die mit paradoxen Gegensätzen daherkommen. Da ist das Bild eines Storches in einer winterlichen Schneelandschaft oder die »melancholische Giraffe«, die inmitten eines mediterranen Dorfes zur Sonne schaut und sich über die zu ihren Hufen drapierte überdimensionale Schraube nicht im Geringsten zu wundern scheint. Eine mit einem Motiv von Pablo Picasso lackierte Gitarre steht wie zufällig zwischen kirchlicher Kunst. Kubismus als Selbstverständlichkeit des Seins. Ich werde später darüber nachdenken. Irgendwo liegen ein paar Gitarrenhälse, die er sicherlich beizeiten ihrem Zweck zuführen wird. In einem kleinen Bücherregal entdeckt man »Wallenstein« von Golo Mann und Publikationen über die Photographie des 20. Jahrhunderts. Der Blick wird auf ein großes sakrales Kunstwerk gelenkt: Ein aus fünf Bildern zusammengesetztes Dornenkreuz. Obgleich es den Raum beherrscht, ist es dennoch nur ein Teil der Einrichtung. Es sind die Gegensätze, die ein interessantes Ganzes ergeben. Und genau das ist Carsten. Er garniert das ihn umgebende Ambiente, jedes Gespräch und jede seiner Ideen mit vielen bedeutsamen Details. Und dann schickt er Dich auf die Suche. Mach‘ die Augen auf, Du wirst schon irgendwas finden.„Die Tele bewahrt, wenn Du ein Stück Musik hineinspielst.“, sagt er mit leuchtenden Augen, und das handgefertigte Instrument ist der lebende Beweis für seine Worte. Sie überzeugt durch einen warmen, drahtigen Grundsound. Ausgestattet mit zwei P-90 Pickups, die über einen Dreiwegtoggle geschaltet werden, zwei Volume- sowie zwei Tonereglern, hat sie eine durchaus unübliche Bestückung. Carsten kennt da keine Skrupel. Es geht ihm nicht um irgendeine originalgetreue Replika. Es geht um Sound. Und den erreicht er auch bei diesem Modell durch einen massiven Korpus. Für den One-Piece-Maple-Neck hat »Scernebeke« sich nicht nur aufgrund der stimmigen Optik entschieden. Man fühlt einfach, dass dies die richtige Wahl für ein optimales Schwingungsverhalten ist. Die richtige Wahl für ein Stückchen Musik ist ganz sicher die Palette der Instrumente von Carsten Ellmers. Aus voller Überzeugung die Gitarren von Scernebeke. Ein Künstler, der all seine Lebenserfahrung in seine Instrumente packt. Er hat überregionale Akzeptanz unbedingt verdient.
(JP/150709)
Schade, ich hätte das Brett gern mal von vorne gesehen!
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Gruß Elgo